Wendländischer Altertumsverein

Die Gründungsphase und das Gründungsdatum (1906) des ältester Heimat- und historischer Vereins des Landkreises Lüchow-Dannenbergs fallen in die Zeit der erwachenden niedersächsischen Heimatbewegung. Damals hatte die modernisierende Dynamik der Industriegesellschaft auch in den abgelegenen ländlichen Räumen ein weit verbreitetes Gefühl der kulturellen Gefährdung und des Verlustes entstehen lassen.

Gründer des Altertumsvereins Carl MenteBereits 1907 hatte der vom Dorfschullehrer und Kantor Carl Mente (rechts) initiierte Verein über 700 Mitglieder, die vorwiegend aus dem Kreis Lüchow, aber auch aus Lüneburg, Salzwedel und anderen Städten kamen. Der große, 29 Personen umfassende erste Vorstand – ein gutes Drittel bestand aus Landwirten – entfaltete im ersten Jahrzehnt seines Bestehens eine rege Betriebsamkeit. DerVerein führte archäologische Grabungen durch, sammelte stadtgeschichtliche, volkskundliche und archäologische Zeugnisse und plante den Bau eines Stadtmuseums neben dem Amtsturm. Langwierige Verhandlungen mit der Stadt Lüchow verhinderten die Realisierung des weit gediehenen Projektes vor 1914.

Nach dem Ende des Weltkrieges, dem Tod des Gründers und den gescheiterten Visionen hatte der Verein nur noch etwa 100 Mitglieder. Erst ab 1924, als der Direktor des hannov. Provinzialmuseums, Prof. K.H. Jacob-Friesen, die Stadt auf die „Kostbarkeit“ der Sammlung hingewiesen hatte, ging es langsam wieder aufwärts. Stadt und Verein einigten sich auf den Amtsturm als Domizil für die Sammlung, Jacob-Friesen erarbeitete ein Ausstellungs- Konzept und 1930 konnte das erste Heimatmuseum des Lkr. Lü.-Dbg. eingeweiht werden. Zwar blieb die Mitgliederzahl unbefriedigend, der Verein führte aber wieder eine regelmäßige Vortragstätigkeit durch und betrieb unter den Vorsitzenden Kofahl und Dicke erneut eine intensive archäologische Grabungs- und Sammeltätigkeit. Die Archäologie blieb – neben der Museumsarbeit – noch lange Schwerpunkt der Vereinsarbeit, denn 1961 hatte der Bodendenkmalpfleger Gerhard Voelkel die Museumsleitung übernommen. Voelkel ordnete die Museumsbestände neu und legte ein archäologisches Magazin an.

Mitte der 1980er-Jahre versuchte der Verein noch einmal in Nachbarschaft zum Amtsturmmuseum ein separates Museumsgebäude zu errichten. Die Pläne scheiterten am Veto des Stadtrates. Immerhin gelang 1989-92 die Neugestaltung der Ausstellung im Amtsturm, allerdings um den Preis der Auslagerung der archäologischen Funde und der Abgabe der Textilsammlung. In den 1990er-Jahren führte man gemeinsam mit anderen Vereinen mehrere Vortragsreihen und Tagungen durch. Bei anhaltendem Mitgliederschwund erlahmte die Vereinstätigkeit allerdings mehr und mehr. Ein schwerer Verlust für die Regionalforschung ist die allmähliche Zerstreuung der einstmals so bedeutenden musealen und archäologischen Sammlung nach dem Verlust der Magazinräume 1989.

Vorsitzende

  • Carl Mente (1906-1917),
  • Lehrer Wiegrefe aus Tarmitz (1917-1926),
  • Amtgerichtsrat Hans von Goeben (1926-1935),
  • Lehrer Harry Halbom (1935-1938)
  • Architekt Kurt Kofahl (1938-1949)
  • Landwirt Christoph Dicke (1949-1961)
  • Landwirt Hermann Klauck (1961- 1976)
  • Lehrer Dr. Karl Kowalewski (1976-1990)
  • Landwirt Eberhard v. Plato (seit 1990).

 

Museumsleiter

  • Kurt Kofahl (1935-1949,
    während des Krieges Stadtinspektor Hohmann)
  • Gerhard Voelkel (1961-1975)
  • Hermann Klauck (1976-1990)
  • Klaus Rathgen (1990-1992, als 2. Vorsitzender)
  • Martin Krüger (1992-2005)